Nachhaltige Konversion

Der Markt Murnau unternimmt mit der "Kemmel-Kaserne" seit einigen Jahren ein herausforderndes Konversionsprojekt. Der Rückbau und Umbau der militärisch genutzten Flächen erfolgt nach wirtschaftlichen, genauso aber auch ökologischen Kriterien. Der erst 1987 von der Brundtland-Kommission definierte zentrale Begriff einer "nachhaltigen Entwicklung" steht dabei im Vordergrund. Dies bedeutet verkürzt im vorliegenden Arbeitsfeld die Schonung und Nutzung natürlicher Ressourcen, insbesondere von Rohstoffen und Lebensräumen. Es bedeutet das Prinzip der Kreislaufwirtschaft und in Bezug auf die Flora eine bewußte Hinwendung zu heimischen Pflanzen, die ja per definitionem nachhaltig, d.h. sich selbst erneuernd sind. In diesem Umfeld wurden etliche Gebäude mit großem Engagement in vorbildlicher Weise bereits in zivile Einrichtungen umgewandelt. Eines davon ist die James-Loeb-Grundschule am Dr.-August-Einsele-Ring. Der Gebäudesanierung folgt nun als zweiter Schritt die nachhaltige Gestaltung des Schulumfeldes, das nachmittags gleichzeitig ein Spielplatz für die heilpädogogischen Tagesstätte ist. In Beziehung auf den bauhistorischen Gesamtkontext ergeben sich drei wichtige Forderungen:

1. Die Außenflächen sollten möglichst naturnah und kindgerecht werden und den Kindern vielfältige Reize und Betätigungs- und Entwicklungsmöglichkeiten lassen. Das hierfür geeignete Konzept ist die Umgestaltung nach dem von der bayerischen Lehrerakademie praxiserprobten "Dillinger Modell". Die Einbeziehung der Schüler in Planung, Bau und Pflege des Schulhofes ist dabei kein lästiges Hindernis oder pädagogisches Feigenblatt, sondern elementar zu realisierende Notwendigkeit.

2. Die umzubauenden Außenbereiche werden optimalerweise nach der Kriterien einer nachhaltigen Konversion gestaltet. Das heißt, dass sich für die und in den umgestalteten Bereichen die Baustoffe und Ressourcen der ehemaligen Kasernenanlage nicht nur wiederfinden könnten, sondern zwingend müssen. Auch hier geht es nicht um eine pseudoökologische Lösung mit Feigenblattcharakter, sondern vielmehr um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den vorliegenden räumlichen Mustern, den wiederaufbereiteten Baustoffen und Materialien der abgerissenen Gebäude.

3. Es muss trotz dieser Grundforderungen ein ästhetisch akzeptabler Lösungsweg gefunden werden, in dem Altstoffe wie Bauschutt, Schreddergut von Beton und Ziegelwerk oder aufgefräste Straßenbeläge kombiniert mit modernen technischen Elementen wie Gabionen (Drahtschotterkörbe) in eine sich gegenseitige befruchtende Symbiose mit Natur und Pädagogik gelangen. Vergessen wir nicht: Trotz vieler technischer Details steht der Gesamteindruck eines optisch wie pädagogisch ansprechenden, naturnah gestalteten Pausenhofes und Spielplatzes im Vordergrund. Kurzum: Es muss nicht nur gut aussehen und funktionieren, sondern einfach schön sein und bei Benutzern wie Betrachtern zuerst Erstaunen, dann Erkennen und schließlich Begeisterung auslösen.

Was soll das denn sein? Bauschutt? Abbruchhalden? Betonchaos! Und daraus soll man Baumaterial für einen Schulhof gewinnen? Wahnsinnige! Doch genau in diesen Kunstergen nahe den Murnauer Hausbergen stecken Riesenchancen. Die Rohstoffe der Kemmelkaserne liegen hier zuhauf. Sehen Sie zu, wie man Ungeordnetes in Ordnung, scheinbar Unbrauchbares in höchst Nützliches verwandelt. Mit hohem Gewinn. Für alle.

 

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